Hintergrund-Artikel zu Psychotherapie

Das normale, alltägliche Erleben im psychischen Sinne unterscheidet sich von dem eines mit Störungen behafteten (neurotischen) in erster Linie quantitativ. Denn: jeder Mensch kennt Angst ( beziehungsweise sollte in der Lage sein, sie wahrzunehmen), jeder kennt Traurigkeit, Wut, Zwiespältigkeit der Gefühle, Gereiztheit, Hemmungen, um nur einige Beispiele aus den Möglichkeiten der Gefühlswelt zu nennen, mit der wir alle hin und wieder Mühe haben umzugehen.

Genauso sind uns Konflikte bekannt, die beispielsweise etwas gleichzeitig wollen und nicht wollen (ja / nein, aber), oder die Ambivalenz von Liebe und Hass ein und derselben Person gegenüber.


Entscheidend für ein auftretendes Problem ist das Ausmaß der Störung und die Unfähigkeit innere und aüßere Konflikte in irgendeiner Form befriedigend zu lösen.Wer sich jetzt damit auseinander setzen will, benötigt die Bereitschaft und das Vermögen zur Selbstreflektion und Selbstkritik. Es ist in der Regel einfacher im anderen den Fehler zu sehen als bei sich selbst. Also geht die Arbeit der Psychotherapie stark mit der Ent-scheidung einher, Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen. ( Hier ist ausschliesslich von der Fähigkeit zur ambulanten Therapie und damit nicht von Menschen die Rede, die stationär und /oder wegen Psychosen behandelt werden müssen.)

Wird nun ein Konflikt aktuell, geht eine sogenannte auslösende Situation voraus, die beispielsweise einen Verlust, eine Trennung mit sich bringt (Arbeitsplatz, Tod eines nahestehenden Menschen). Angst, Gefühle des Verlassen werdens mobilisieren sich. Wer erfahren hat, dass solche Lebenssituationen aufgefangen werden und in Vermittlung von Sicherheit und Geborgenheit gehalten werden (Halt im wahrsten Sinne des Wortes), kann Vertrauen entwickeln und Trauer und Schmerz aushalten und verkraften.
Ansonsten entsteht mit der Angst eine Verstärkung der Spannung und damit des Konflikts und es kommt wahlweise zu unterschiedlichen „Lösungen“: Verdrängung, Regression, wobei daraus in der Regel Symptome entwickelt werden wie: Schlafstörungen, Unruhezustände, Schmerzen im Bewegungsapparat, Kopfschmerzen und dergleichen.

Im Sinne einer lösungsorientierten Psychotherapie wird zunächst der Behandlungsauftrag wichtig. Es geht darum, dass der Betroffene ( hier auch Patient oder Klient genannt ) tatsächlich etwas ändern will, dabei mitarbeiten will und die Verantwortung dafür übernimmt. Die Therapeutin ist gleichzeitig aufgerufen ihre Fachkompetenz und ihre eigene, bereits reflektierte und immer wieder zu überprüfende Persönlichkeit einzubringen.
Menschen, die sich für eine Psychotherapie entscheiden, tun dies aus einem bestimmten Leidensdruck heraus und aus der Einsicht, etwas daran verändern zu wollen. Dabei „dient“ die Therapeutin als Gegenüber, das, ohne bestimmte Verdienste oder Leistungen zu verlangen, eine Überprüfung der Realität und der Urteilsfunktion über das eingebrachte Problem anregt. Damit einhergehend werden die Fähigkeiten auf der Gefühlsebene neu erlernt und erfahrbar gemacht. Dies ist zwangsläufig ein länger andauernder Prozess, da eine Toleranz gegenüber Frustrationen, was beispielsweise den Umgang mit Angst, Enttäuschungen, Kränkungen angeht, nicht rein kognitiv erklärt und damit als gelöst betrachtet werden kann.Hier kommt als wichtiges Instrument die Beziehung zwischen Patient und Therapeut ins Spiel. Diese Beziehung muss gewährleisten, was wahrscheinlich einmal versäumt worden ist: Tragfähigkeit, Zuverlässigkeit und Einfühlungsvermögen bei gleichzeitiger Überlassung der Eigenverantwortung.

Eine ambulante Psychotherapie findet in der Regel einmal wöchentlich für 50 Minuten statt und dauert, je nach Schwere des Konflikts, eineinhalb bis drei Jahre. Auf jeden Fall ist in einem Vorgespräch zu klären, ob eine Behandlung mit den Bedingungen des ambulanten settings möglich ist (der Klient muss seinen Alltag allein meistern können).
 
 
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